Archive für Januar 2010

Die Geschichte von der traurigen Traurigkeit….

Das Märchen von der traurigen Traurigkeit:

Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg

entlangkam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war

leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines

unbekümmerten Mädchens. Bei der zusammengekauerten Gestalt

blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel

erkennen.

Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast

körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit

menschlichen Konturen. Die kleine Frau bückte sich ein wenig

und fragte:

“Wer bist du?”

Zwei fast leblose Augen blickten müde auf.

“Ich? Ich bin die Traurigkeit”,

flüsterte die Stimme stockend und so leise, daß sie kaum zu

hören war.

“Ach die Traurigkeit!”

rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte

Bekannte begrüßen.

“Du kennst mich?”

fragte die Traurigkeit mißtrauisch.

“Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich

ein Stück des Weges begleitet.”

“Ja aber…”, argwöhnte die Traurigkeit, “warum flüchtest du

dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?”

“Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt

doch selbst nur zu gut, daß du jeden Flüchtigen einholst.

Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos

aus?”

“Ich…..ich bin traurig”,

antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.

Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr.

“Traurig bist du also”,

sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf.

“Erzähl mir doch, was dich so bedrückt.”

Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich

jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon

gewünscht.

“Ach, weißt du”, begann sie zögernd und äußerst verwundert,

“es ist so, daß mich einfach niemand mag. Es ist nun mal

meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine

gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen

komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und

meiden mich wie die Pest.”

Die Traurigkeit schluckte schwer.

“Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen.

Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr

falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie

sagen: “Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie

Herzschmerzen. Sie sagen: Man muß sich nur zusammenreißen.

Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken.

Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten

Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich

mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen.”

“Oh ja”, bestätigte die alte Frau, “solche Menschen sind mir

schon oft begegnet.”

Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen.

“Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich

ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich

helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen.

Wer traurig ist hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid

bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das

tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zuläßt und all die

ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen.

Doch die Menschen wollen gar nicht, daß ich ihnen dabei

helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen

über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer

aus Bitterkeit zu.”

Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann

stärker und schließlich ganz verzweifelt Die kleine, alte

Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre

Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und

streichelte zärtlich das zitternde Bündel.

“Weine nur, Traurigkeit”, flüsterte sie liebevoll, “ruh dich

aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun

an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten,

damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt.”

Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf

und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin:

“Aber…aber - wer bist eigentlich du?” “Ich?”

sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte

sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen.

“Ich bin die Hoffnung.”!


(Hilfe,) die Welt wird katholischer….


Das meinte jedenfalls der Münchner Soziologieprofessor Armin Nassehi, am 30. Dezember 2009 auf Seite 42 in der SZ – allerdings ohne den Zusatz „Hilfe“, der stammt von mir und soll ebenso provozieren, wie das Interview.

Sein Ausgangspunkt ist die post bürgerliche Gesellschaft. Deren Definition bleibt er allerdings schuldig, sie erschließt sich nur bruchstückhaft aus dem Interview:

Das Meiste, was einen Alltag heute ausmache, funktioniere eher ritualisiert, eher praktisch, eher reflexionsfrei, eher ästhetisch. Wir fänden Dinge faszinierend, die uns mit Bildern sinnlich ansprechen. In einer Mediengesellschaft funktioniere eben fast alles über Bilder, wenn man wolle: über Fernsehformate.

Der Protestantismus habe sich immer dagegen gewehrt, dass das Religiöse primär über Bilder, Gefühle und Verschmelzungsphantasien zum Faszinosum werde. Damit sei er besonders tauglich für das Selbstbild der bürgerlichen Gesellschaft mit ihrer Betonung des selbsttranparenten, identiätsstarken Individuums. Der Einzelne entscheide rational und in voller Transparenz. Der handelnde Akteur kann immer gute Gründe angeben, für das, was er tut. Der mittelalterliche Mensch habe ethisch von der Hand in den Mund gelebt, er wußte ja auch nicht, dass er Katholik war, das gab es ja erst nach Luther, er war einfach nur Christ. Der muß eine einheitliche Lebensführung zumindest simulieren. Er brauche eine Form von Intellektualität, die ohne Widersprüche auskomme, die Glaubenssätze müßten alle zusammenpassen. Soweit mein sehr geschätzter Lehrer Prof. Nassehi.

Als erstes bedarf die „post bürgerliche Gesellschaft“ einer eingehenden Diskussion:

Es mag ja sein, dass viele Mitglieder der Gesellschaft (ich vermeide bewusst den Begriff „Bürger“ !) „Opfer“ der Kulturindustrie nach Horkheimer/Adorno geworden sind, aber dies doch in ganz unterschiedlicher Weise. Nicht jeder läßt sich kritiklos einlullen und nimmt alles hin, so, wie die Medien gerne hätten ! Dass vieles heute über Emotionen besser zu vermitteln ist, als durch das pure Sachargument, dem ist sicher zuzustimmen. Das bestätigen auch Hirnforscher, die den Lernerfolg, insbesondere in der Schule, nicht durch Angst und Drill, sondern durch positive Gefühle und echtes Interesse für den „Lerngegenstand“ gewährleistet sehen wollen. Dass die Lehrer hierbei gegen Playstation und Hollywood konkurrieren, wie der Hirnforscher Spitzer sagt, macht die Sache sicher nicht leicht. Es ist halt einfacher, sich „bespaßen“ zu lassen, als sich selbst mit einem Problem auseinander zusetzen !

Aber dass die Welt hauptsächlich über Fernsehformate interpretiert wird, dem kann ich nicht zustimmen. Zur emotionalen „Bezauberung“ gehören nicht nur schöne Bilder, sondern auch das Hören, Riechen und Schmecken. Die Emotionen werden aber von den Kirchen seit eh und je gut bedient: Die mit „Feiertagschristen“ aller Konfessionen vollen Kirchen an den hohen Fest- und Feiertagen wie Weihnachten, Ostern usw. zeigen eindeutig, dass es hier keine wesentlichen Unterschiede gibt. Auch die und die zentralen Gebete, wie z.B. das Vaterunser unterscheiden sich für den theologischen Laien nur semantisch. Ein großer Unterschied ist allerdings die Möglichkeit der Katholiken, ihre Sünden durch die Beichte loszuwerden. Da ist den Evangelen verwehrt, sie müssen auf das Jenseits warten, ob sie zu den Erwählten oder Verstoßenen zählen. Max Weber hat die Folgen, die sich seiner Meinung nach daraus ergeben, in seinen Arbeiten zur Protestantischen Ethik eindrucksvoll aufgezeigt.

Im Interview wird auch nicht ganz deutlich zwischen gläubigen Christen und Kirchenmitgliedern unterschieden. Die Frage, ob ein Gläubiger eine Organisation als Vermittler zwischen Gott und sich braucht, darf nicht ausgeblendet werden.

Die katholische Kirche bietet ihren Mitgliedern die absolute Wahrheit, in theologischen Fragen ist der Papst ja sogar unfehlbar. Das gibt einem Gläubigen den Halt und die Struktur, wonach die Menschen in ihrem tiefsten Inneren suchen. Auch die zahlreichen Riten sind dazu geeignet, Halt zu geben. In ähnlicher Weise tut das das Judentum.

Das hat ja auch jahrhundertelang gut funktioniert. Das Wissen ist aber heute weitestgehend allgemein verfügbar geworden und die Probleme, vor die sich die Menschen gestellt sehen, sind wesentlich komplexer geworden. Die christlichen „Glaubensessentials“ sind ja auch nicht gerade einfach mit Erbsünde, Erlösung Kreuzestod usw. In anderen Glaubensrichtungen geht das auch einfacher. Zum Beispiel beim Buddhismus gibt es die vier edlen Wahrheiten:

  • Leben ist immer Leiden;

  • die Ursache für das Leiden sind die Begierden;

  • Das Aufheben der Leiden gelingt nur durch die Aufhebung der Begierden;

  • Der konkrete Weg die Begierden aufzuheben ist der achtfache Pfad
    (ähnlich den 10 Geboten).“

Die „Erklärungsangebote“ sind eben gerade durch die Medien mehr geworden und die Menschen scheinen experimentierfreudigen geworden zu sein, was den „Weg zur Seligkeit“ anbetrifft, sie wollen vielleicht auch weniger „delegieren“. Es muß ja auch nicht alles streng logisch sein, das zeigt auch die von Nassehi zitierte Untersuchung, wonach die Leute sich ihre Inhalte selbst zusammenbasteln, die aber argumentativ nicht zur Einheit verschmolzen werden müssen.

Katholischer ist die Welt keineswegs geworden, deshalb ist auch kein Hilferuf notwendig ! (zumindest meiner Meinung nach)

Man ist nur wesentlich bereitwilliger geworden, das infrage zu stellen, wo man „hineingeboren“ wurde. Dass das auch durch emotionalere „Erklärungsformate“ geschieht, ist ja nicht abzulehnen.

Dass die Kirchen allerdings Mitglieder dadurch gewinnen könnten, dass die Leute über die „Hintertüre“ zu Ihnen über Aktionen kämen, die nicht primär kirchlich wären und dann „drinblieben“, wie Nassehi vorschlägt, halte ich für ziemlich abenteuerlich. Ich wäre da schnell wieder weg, wenn ich merken würde, dass ich wo hingeraten bin, wo ich nicht hinwollte.

Da bin ich ziemlich evangelisch und rational, das möchte ich schon gerne bewusst bestimmen !

Tertium non datur… oder das Dritte, das es – angeblich – nicht gibt.


Neulich schrieb mir jemand dieses Zitat im Zusammenhang mit zwei Möglichkeiten zu denen es keine dritte Lösung geben könne. Wie das Leben so spielt, las ich gestern im Buch „Vom Schlechten des Guten – oder Hekates Lösungen“ von Paul Watzlawick, ich stieß ganz zufällig auf ein sehr interessantes, einschlägiges Kapitel.

 

Er schildert dort den Lebensweg des Franzl Wokurka aus dem österreichischen Ort Steinhof.

Der kämpft mit der manichäischen Welt der Gegensatzpaare (mit Entscheidungs- bzw. Unterwerfungszwang), bis er auf der Universität erfährt, dass das Andere sein Unwesen in der formalen Logik treibt. Dort wurde zuerst postuliert, dass jede Aussage entweder wahr oder falsch sei, und dass es kein Drittes gebe (tertium non datur), so wie beim Bibelwort „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“. Dann kam aber der klassische Lügner, der „Ich lüge“ sagte. Wenn er wirklich log, sagte er also die Wahrheit; aber dann log er also, wenn er sagte „Ich lüge“ !

 

1942 wurden Plakate mit dem Slogan „Nationalsozialismus oder bolschewistisches Chaos“ geklebt. Franzl Wokurka klebe kleine Zettel mit der Aufschrift „Erdäpfel oder Kartoffel“ auf die Plakate. Herrjeh, haben sich da die Tausendjährigen geärgert, dass ihnen jemand ihre amtliche und endgültige Definition der Wirklichkeit verhohnigelte !

 

„Das ausgeschlossene tertium, das Dritte, scheint es also zu geben. Aber es lebt wohl im Verborgenen, im Schatten des gesunden Menschenverstandes, für den die Welt klar und verlässlich in unversöhnliche Gegensätze geteilt ist. Laotse, nennt es nicht das Dritte, sondern den Ewigen Sinn. Nur ist leider auch dieser Name ein Gefangener der manichäischen Welt, da er ein Gegenteil im Ewigen Unsinn hat. Ist das vielleicht der Grund, weshalb es Religionen gibt, in denen Gott nicht benannt werden darf …?“ So schließt Watzlawick das Kapitel.

 

Bei Laotse kann ich ihm nicht ganz zustimmen, im Tao-te-King (ttk) heißt es im ersten Kapitel:

„Das sagbare Tao ist nicht das Tao des Absoluten. (der Ewige Sinn nach Watzlawick, Anm.admin)

Der nennbare Name ist nicht der Name des Absoluten.

Das Namenlose rief Himmel und Erde ins Leben.

Das Nennbare ist die Mutter aller Dinge.“

 

Hier drängt Laotse seine Leser dazu, ihre Erwartungen fallenzulassen, ihre vorgefassten Meinungen abzulegen, jegliche Methode des Verstehens aufzugeben, die ihren Horizont einschränken könnte. Werden diese Erwartungen fallengelassen, dann erweitert sich das Bewusstsein und zugleich die Realität. Über die Wahrnehmung des scheinbar statischen Soseins der Dinge (die Begrenzung) hinaus kann der Sinnsuchende anfangen, die innere Dynamik, die Zielrichtung der Dinge (den Beweg-Grund) wahrzunehmen.

 

Weitere Erläuterungen im Kap. 70 ttk:

 

„Das Tao Verstehen

Meine Worte sind sehr leicht zu verstehen,

Sehr leicht zu befolgen.

Aber die Welt ist unfähig, sie zu verstehen, unfähig sie zu befolgen.

 

Meine Worte haben einen Ursprung, meine Taten sind meisterhaft.

Freilich, da keiner dies versteht, versteht auch keiner mich.

Die wenigen, die mich verstehn, müssen mich hochschätzen.

 

Drum tagen reife Menschen eine Hülle aus grobem Tuch

Über einem Kern aus kostbarer Jade.“

Apokalypse 2036 ?

Mit dieser Frage überraschte mich heute die SZ auf der Seite 20 “Wissen”.  Man konnte lesen, dass der Asteroid Apophis (klingt irgendwie nach “Ausserparlamentarischer Opposition”) im Jahr 2029 in rund 30 000 Kilometern an der Erde vorbeifliegen wird. Er könnte sie dann aber 7 Jahre später, nach einer Kursänderung treffen. Die Nasa  stuft das Risiko zwar als äußerst gering ein, die Russen möchten aber Maßnahmen treffen, den Asteroiden abzulenken. Sowas hatten wir doch schon ´mal in einem Science-Fiction-Film, wenn ich mich richtig erinnere, natürlich wurde die Welt gerettet.

Dazu fällt mir ein Ausspruch von Florian Langenscheidt (”Wörterbuch des Optimisten”) im “Nachtcafe” des SWR vom Neujahrstag ein: “Shit happens, nur auf die Perspektive kommt es an: ob man die Taube oder das Denkmal ist”

Übrigens das Thema im Nachtcafe war, ob Optimisten oder Pessimisten besser durchs Leben kommen.

Aller Anfang ist - vielleicht - schwer.

Nun steht er also, mein Blog. Ich bin ganz überrascht, wie schnell das ging. Da war ja eine Domain vorhanden, die bisher nur so für Übungszwecke benutzt wurde, da kann man schnell loslegen.

这 是 我 的 中 国 Blog es geht also auch, wenn man Hanzi von einem Editor oder Text kopiert !

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