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Archive für 6.1.2010
Tertium non datur… oder das Dritte, das es – angeblich – nicht gibt.
6.1.2010 von admin.
Neulich schrieb mir jemand dieses Zitat im Zusammenhang mit zwei Möglichkeiten zu denen es keine dritte Lösung geben könne. Wie das Leben so spielt, las ich gestern im Buch „Vom Schlechten des Guten – oder Hekates Lösungen“ von Paul Watzlawick, ich stieß ganz zufällig auf ein sehr interessantes, einschlägiges Kapitel.
Er schildert dort den Lebensweg des Franzl Wokurka aus dem österreichischen Ort Steinhof.
Der kämpft mit der manichäischen Welt der Gegensatzpaare (mit Entscheidungs- bzw. Unterwerfungszwang), bis er auf der Universität erfährt, dass das Andere sein Unwesen in der formalen Logik treibt. Dort wurde zuerst postuliert, dass jede Aussage entweder wahr oder falsch sei, und dass es kein Drittes gebe (tertium non datur), so wie beim Bibelwort „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“. Dann kam aber der klassische Lügner, der „Ich lüge“ sagte. Wenn er wirklich log, sagte er also die Wahrheit; aber dann log er also, wenn er sagte „Ich lüge“ !
1942 wurden Plakate mit dem Slogan „Nationalsozialismus oder bolschewistisches Chaos“ geklebt. Franzl Wokurka klebe kleine Zettel mit der Aufschrift „Erdäpfel oder Kartoffel“ auf die Plakate. Herrjeh, haben sich da die Tausendjährigen geärgert, dass ihnen jemand ihre amtliche und endgültige Definition der Wirklichkeit verhohnigelte !
„Das ausgeschlossene tertium, das Dritte, scheint es also zu geben. Aber es lebt wohl im Verborgenen, im Schatten des gesunden Menschenverstandes, für den die Welt klar und verlässlich in unversöhnliche Gegensätze geteilt ist. Laotse, nennt es nicht das Dritte, sondern den Ewigen Sinn. Nur ist leider auch dieser Name ein Gefangener der manichäischen Welt, da er ein Gegenteil im Ewigen Unsinn hat. Ist das vielleicht der Grund, weshalb es Religionen gibt, in denen Gott nicht benannt werden darf …?“ So schließt Watzlawick das Kapitel.
Bei Laotse kann ich ihm nicht ganz zustimmen, im Tao-te-King (ttk) heißt es im ersten Kapitel:
„Das sagbare Tao ist nicht das Tao des Absoluten. (der Ewige Sinn nach Watzlawick, Anm.admin)
Der nennbare Name ist nicht der Name des Absoluten.
Das Namenlose rief Himmel und Erde ins Leben.
Das Nennbare ist die Mutter aller Dinge.“
Hier drängt Laotse seine Leser dazu, ihre Erwartungen fallenzulassen, ihre vorgefassten Meinungen abzulegen, jegliche Methode des Verstehens aufzugeben, die ihren Horizont einschränken könnte. Werden diese Erwartungen fallengelassen, dann erweitert sich das Bewusstsein und zugleich die Realität. Über die Wahrnehmung des scheinbar statischen Soseins der Dinge (die Begrenzung) hinaus kann der Sinnsuchende anfangen, die innere Dynamik, die Zielrichtung der Dinge (den Beweg-Grund) wahrzunehmen.
Weitere Erläuterungen im Kap. 70 ttk:
„Das Tao Verstehen
Meine Worte sind sehr leicht zu verstehen,
Sehr leicht zu befolgen.
Aber die Welt ist unfähig, sie zu verstehen, unfähig sie zu befolgen.
Meine Worte haben einen Ursprung, meine Taten sind meisterhaft.
Freilich, da keiner dies versteht, versteht auch keiner mich.
Die wenigen, die mich verstehn, müssen mich hochschätzen.
Drum tagen reife Menschen eine Hülle aus grobem Tuch
Über einem Kern aus kostbarer Jade.“
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