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Archive für Februar 2010
Esse est percipi…(2) Käßmann ??? -Käßmann !!!
25.2.2010 von admin.
Da läßt es mir die Feder resp. Tasten nicht ruhen. Besonders aus den Zeitungen mit den großen Buchstaben sprang er einen förmlich an, der “tapfere Rücktritt” der Margot Käßmann. Im Grunde ein Lehrstück über die -öffentliche - Wahrnehmung. Frau Käßmann hatte ja förmlich die Wahrnehmung in den Medien als moralische Instanz gesucht, da war es nur konsequent, zurückzutreten, als sich diese Wahrnehmung durch die Trunkenheitsfahrt wandeln mußte. Sie hätte es wohl schwer ertragen, wenn politische Einmischungen unter Hinweis auf die Steinewerferin im Glashaus konterkariert worden wären.
Die Wahrnehmung als moralischen Authorität verträgt sich nicht mit einer Straftat. Da ist das Mediengeschäft wesentlich ungnädiger als die Justiz !
Ihre Kollegen befleißigten sich zwar schnell, zu sagen, sie hätte nicht zurücktretn müssen, ob das aber wirklich die echte Meinung war ? Ihr Stellvertreter hat auch gleich erklärt, daß er sich politisch einmischen werde. Da frage ich mich schon, was sich die Kirche in die Politik einzumischen hat. Sie ist doch mit dem Seelenheil ihrer Schäfchen vollauf beschäftigt. Der Staat treibt doch fleißig die Kirchensteuer ein, vielleicht lenkt so eine Affaire von unbequemen Wahrheiten ab -Cui bono ???
Für mich war der mediale Rummel über den Abgang peinlich. Es nährt in mir den Verdacht, daß M.K. eine gehörige Portion Narzißmus besitzt, mehr als einem geistlichen Amt zuträglich ist. Warum braucht es zur Erklärung des Rücktritts eine Pressekonferenz ? Es hätte ihr gut zu Gesicht gestanden, sich schriftlich zu äußern und am Schluß vielleicht Luther zu zitieren: “Hier stehe ich, ich kann nicht anders, sowahr mir Gott helfe.” Stattdessen selbstgerecht in die laufenden Kameras: “So tief man auch fällt, Gott fängt einen auf.”
Nun ist die mediale Wahrnehmung der M.K. eine andere geworden, bald wird sie für die Medien uninteressant sein. Vielleicht erfährt man später, wie sie mit dem “Absturz” fertiggeworden ist.
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Esse est percipi…
24.2.2010 von admin.
“Esse est percipi……” für die Nichtlateiner: „Sein ist wahrgenommen werden”.
Das Zitat stammt von George Berkeley, einem irischen Bischof und Philosophen, der von 1685 -1753 gelebt hat. Zur Erinnerung, der Dreißigjährige Krieg war 1648 mit dem Westfälischen Frieden zu ende gegangen. Danach gab es eine ganze Menge von Kriegen, auch ich mußte hier nachschlagen und erspare Ihnen die Aufzählung. Summa summarum also eine recht unruhige Zeit. Der Gedanke aber dennoch schon sehr modern und hochinteressant !
Gefunden habe ich das Zitat im Buch von Thomas Wieczorek (W) „Die verblödete Republik – Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen“ (Knaur-Taschenbuch, mittlerweile auch Spiegel-Bestseller). Ein ziemlich negatives Buch, manches unzweifelhaft richtig, aber auch hier darf mit dem eigenen Verstand kritisch gedacht werden ! Und…..nur nicht schwermütig werden !
Sehr interessant fand ich das Kapitel III: Indoktrination. W setzt sich hier mit der Frage auseinander, wie man es schafft, ein nicht einmal in sich geschlossenes Zerrbild der Wirklichkeit zum Allgemeinwissen zu machen. Er nimmt das Ergebnis vorweg und vertritt die provokante These, dass man jedem Volk grundsätzlich fast alles einreden könne, wenn man sich nur geschickt genug anstelle…….
Cui bono (boni ???) - wer profitiert davon ?
In unserer mediendominierten parteienrepräsentierenden Demokratie kann jemand nur dann Erfolg haben, wenn er von den Medien wahrgenommen wird, die ihn dann wieder als Multiplikatoren zu Herrn Jedermann oder Jederfrau bringen. So wird Niemand durch multiplizierte Wahrnehmung zu Jemand (Esse est percipi) gemacht. Elisabeth Noelle-Neumann geht sogar soweit zu sagen, dass sich das Individuum der Beeinflussung durch gleichgeschaltete Massenmedien nicht entziehen könne, da die Abwehrmechanismen außer Kraft gesetzt seien. Man ist geneigt, dem zuzustimmen, wenn man „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germanys next Top-Model“ als Belege heranzieht.
Oder in der praktischen Politik: Wer kannte vor der Bundestagswahl Politiker wie Herrn Roettgen (ich weiß heute noch nicht, wie man ihn schreibt, sollte vielleicht nicht so locker in der Zeitung über ihn weglesen !) oder Rösler ? Der eine hat den Atomausstieg für sich entdeckt, dem anderen ist der Dauerbrenner Gesundheitsreform zugefallen. Die Frau Köhler – Schröder – Köpf oder wie ??? muß da noch hinarbeiten! KT (ich hoffe Sie wissen, dass der unser neuer Verteidigungsminister ist) wächst an Afghanistan, vielleicht besser Affgähnistan ????
Dieses Handwerk beherrscht aber doch unser Guido am besten! Richtig professionell, wie er zurzeit „Hartz IV“ spielt. Seine Gegner spielen alle brav mit, obwohl sie das Spiel eigentlich durchschauen sollten. Wahrscheinlich hoffen sie insgeheim, dass es schief geht oder sogar davon zu profitieren und sich zu profilieren !. Das wird’s aber nicht. Die Sau, die durchs Dorf getrieben wird (neudeutsch „Agendasetting“) kann nicht blöd genug sein, hauptsächlich sie ist schrill, bunt und laut ! Dann wird sie wahrgenommen, der Kontext ist doch wurscht, es zählt nur, man wird gedruckt oder gesendet. Das Medium schaffe die Wirklichkeit selbst, die es vorgibt abzubilden, wie der Berliner Politikprofessor Guggenberger von W zitiert wird. Vielleicht stimmen dem Guido ja einige insgeheim zu???
Dass ohne massive Mitwirkung der Medien kaum noch etwa läuft zeigt auch das folgende Beispiel:
Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, wie der große Gerd, der nur BILD, Bam´ s und die Glotze zum Regieren brauchte, den „Heidelberger Professor“ (der mit der Bierdeckel-Steuererklärung, ich glaube, er hieß Kirchhoff) abschoss…..Oder die talentfreie Geräuschkulisse Daniel Kübelböck (DSDS = D sucht den Superstar).
Das hängt auch damit zusammen, dass wir uns heute unsere Wirklichkeit ganz wesentlich mit den Medien konstruieren, wie der Hamburger Journalistikprofessor Weischenberg in W meint. Dort hält dann auch prompt der Wiener Philosophieprofessor Paul Liessmann dagegen, dass der Triumph des Meinungsjournalismus die Kehrseite der Tatsache ist, dass niemand mehr was weiß !!!
„Geht es nach dem Florentiner Politikprofessor und Medienkritiker G. Sartori, so gefährden die Medien nicht nur die Demokratie, sondern auch unsere geistige Gesundheit. Das Aufsaugen manipulierter oder virtueller Bilder ersetzt das logische, abstrakte und systematische Denken; und wir verlernen es, die Wirklichkeit zu begreifen und zu erklären: der homo sapiens wird zum homo videns und marschiert schnurstracks zurück in die „vorkulturelle Frühzeit der Menschheit“, vielleicht homo ludens ?. Im Extremfall verliert er den Kontakt zur Realität und sich selbst.“ So das wörtliche Zitat aus W-Kapitel „Moderne Medien: zurück in die Steinzeit ?“
Mit dem weiteren Ausflug in die Medientheorie begibt sich W allerdings aufs Glatteis. Sehr einseitig betet er Enzensberger nach, vor allem beim „Nullmedium“.
Hierzu Wikipedia:
„Den Begriff Nullmedium prägte Hans Magnus Enzensberger in seiner Fernsehkritik, die polemisch darauf hinweist, dass alle Klagen über das Fernsehen “gegenstandslos” seien, weil das Fernsehen ein Medium der Gegenstandslosigkeit geworden sei; während zunächst noch programmbestimmte Inhalte gesendet worden seien, verkomme es zunehmend zu einem Medium der Belanglosigkeit und Beliebigkeit, zu einem “Trancemittel”.“
Enzensberger führt sich hier bis auf Brecht mit seiner „Radiotheorie“ zurück.
Mir ist das alles etwa zu marxistisch ideologisiert, vielleicht auch nach der Ideologie gebogen; mir gefällt das Infotainment von Neil Postman besser, auch hierzu Wikidedia:
„Unter Infotainment (Kofferwort aus dem Englischen: information und entertainment) versteht man die unterhaltsame Vermittlung von Bildungsinhalten und meist auch Scheinwissen, das den Anspruch erhebt, Bildungsbestandteil zu sein.
Der Begriff Infotainment wurde von dem Medienkritiker Neil Postman geprägt, der das Fernsehen kritisch hinterfragte. In seinem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ (1985) wird von Postman die Behauptung aufgestellt, dass das Fernsehen den rationalen öffentlichen Diskurs in der Form verwandelt, dass jedes Thema – Politik, Kultur, Erziehung, Bildung, etc. – als emotionalisierte, oberflächliche Unterhaltung erscheint. Der politische Wahlkampf sei kein ernsthafter Diskurs mehr über die Inhalte, sondern ähnlich einer großen Varieté-Veranstaltung. Durch diesen Prozess wird nach Postman eine der wesentlichsten Errungenschaften der Aufklärung zerstört: die Fähigkeit zur rationalen Urteilsbildung (Urteilsvermögen); eine Entwicklung, die Postman zufolge die Grundlagen der Demokratie zersetzt und in eine neue Unmündigkeit führt.“
Ich merke schon, das wird alles sehr üppig, die Medientheorie wird in einem nächsten Beitrag abzuhandeln sein, jetzt nur ein Zwischenfazit, es paßt ganz gut das Ende des „Digitalen Evangeliums“ von Magnus dem Enzensberger:
Das digitale Evangelium
- Medien spielen eine zentrale Rolle in der menschlichen Existenz, und ihre rasante Entwicklung führt zu Veränderungen, die niemand wirklich abschätzen kann. Medienproheten, die sich und uns entweder die Apokalypse oder die Erlösung von allen Übeln weissagen, sollten wir der Lächerlichkeit preisgeben, die sie verdienen.”
- “Es gibt ein Leben diesseits der digitalen Welt: das einzige, das wir haben.”
Strichpunkt von mir, dem Realen: Es gibt einen Abschaltknopf, benutzen wir ihn !!!
Fortsetzung folgt……
Übrigens auch Nassehi sagt in seiner katholischeren Welt im Blog weiter oben was zu Fernsehformaten !
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