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Esse est percipi (3) schweizer Schläger und Statistik

Dieser Eintrag stammt von admin Am 11.3.2010 @ 16:11 In Journalistisches | Keine Kommentare

Seit heute (8.3.) stehen 3 schweizer Schüler vor Gericht in München. Sie haben bei einem Klassenausflug in München mehrer Passanten in der Innenstadt brutal zusammengeschlagen, ein  wurde sogar lebensgefährlich verletzt, ist aber mittlerweile wieder außer Lebensgefahr. Die Anklage lautet u.a. auf versuchten Mord. Einer der Schüler gab an, sie wollten Spaß haben.

Am frühen Morgen des 8.3. hörte ich einen Kommentar auf Bayern 1 mit dem Tenor, dass die Jugendgewalt zunähme.

Es wurde dann ein Mitarbeiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen interviewt. Sein Fazit war,

  • dass die Jugendgewaltkriminalität nicht zugenommen, sondern abgenommen habe, das zeigten vor allem auch die Berichte der Schuldirektoren, die die Vorfälle ja der Versicherung zu melden hätten, wenn körperliche Schäden zu verzeichnen wären.
  • Was dagegen zugenommen habe, sei die Berichterstattung in den Medien. Sie sei drei bis fünf Mal höher als früher.

Der Bericht ist unter

http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/fb107zusammenfassung.pdf

im Netz als Kurzfassung zu finden, die Homepage ist über :

http://www.kfn.de/home.htm

zu erreichen. , die Inhalte hat natürlich das Institut alleine zu vertreten, Admin lehnt jede Haftung hierfür ab.

Ein  Projekt des KfN befasst sich mit der Fernsehberichterstattung über Gewaltkriminalität in Deutschland und untersucht die Motive und Entscheidungsstrukturen der Macher. Das Projekt stützt sich auf eine qualitative Journalistenbefragung und eine Analyse aktueller Fernsehnachrichten, Boulevardmagazine und Reportagen. Dazu gibt es aber leider noch keine Berichte.
Das Institut für Friedenspädagogig Tübingen e.V. hat hierzu aber einiges anzubieten http://www.friedenspaedagogik.de/ .

Der Moderator war nach dem Interview sehr betroffen und wußte nicht weiter. Die Angelegenheit reisserisch mit den Fakten aufzumotzen ging nun nicht mehr…..!

Durch die gesteigerte Berichterstattung über diese Vorgänge wird aber vielleicht eine bedrohliche Weltsicht erschaffen….oder verfestigt.

Das Problem der Wirkung der Gewaltdarstellung in den Medien, besonders dem Fernsehen, hat mich nicht mehr losgelassen. Wie ich bei der wieteren Internetrecherche feststellen konnte, ist die “Medienwirksamkeit” ein intensiver Forschungs- und Vorlesungsgegenstand der Medienwissenschaften an den Hochschulen.

Dabei stellt sich heraus, dass der einfache Reiz-Reaktions-Ansatz schon lange nicht mehr als Erklärungsansatz verfolgt wird (Pawlow´scher Hund !- ist out ). Von der Rezeption der Bilder im Fernsehen zur schrecklichen Tat ist ein wesentlich weiterer und komplexerer Weg. Da hat das “Milieu”, in dem die Jugendlichen aufwachsen, einschließlich Eltern natürlich, einen wichtigen Einfluß. Was mich überrascht hat, es gibt nur sehr wenige ernstzunehmende Studien, die die Wirkung von gewalttätigen Fernsehbildern und auch Computerspielen untersuchen. Die Ergebnisse, die bisher öffentlich zugänglich sind, gebieten eher einen vorsichtigen Umgang mit den bekannten und beliebten Klischees.

Was jedoch unbestritten ist, ist die Wirkung der Medien auf das “Agendasetting”. D.h. dass diese versuchen uns vorzugeben, was wir denken sollen !

Weiter taucht in den Publikationen auch der Begriff des “widerspenstigen Zuschauers” auf, der den Absichten der Journalisten nicht so folgt, wie diese es gerne hätten….woran das Vorschreiben des Wie den Denkens oft scheitert !

Also viel Stoff für eine Fortsetzung !!! Die auch bald folgen wird.


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