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Merkels Rechenkünste - oder wem gehört “unser” Atomausstieg ?

Vor Schwarz-Gelb war E=2022 - so ungefähr. Dann kam die Kanzlerin und hat E=2022+X gesetzt. Kaum geschen kam ein Tsunami-Erdbeben und hat das “X” weggefegt. Jetzt ist E wieder so ungefähr 2022. Das ist nun die sog. “Energiewende”. Aber das Volk war aufmerksam und hat der Merkel und ihrer CDU samt Wurmfortsatz CDU und (Schlapp)Schwanz FDP das nicht geglaubt. Von den Oppositionsparteien hat man nur noch den Grünen geglaubt, weil die immer schon 2022 gesagt haben, die SPD hat wieder mal dumm geschaut, weil sie immer noch nicht weiß wofür oder wogegen sie eigentlich ist oder sein soll oder sollte. Nun haben die Grünen aber Angst, dass die Merkel ihnen ihren Atomausstieg klaut und ihn sich an ihre Federn heftet. Die SPD hat gleich signalisiert, dass sie nicht gegen die Merkel-Wende hätte, es würde ja jetzt das kommen, was die SPD ohnehin wolle.

Auch mit “Eins” vor und “Eins” zurück kann man Bewegung und Dynamik vorspiegeln. Die Diskussion über den Atomausstieg hat schon längst die Ebene der Rationalität verlassen. Von den Umfragen beflügelt tut die Kanzlerin das, was ankommt, sie will ja vieleicht nochmals wiedergewählt werden.

Im übrigen könne man ja nicht gegen das Volk regieren. Wohin das führt, sieht man in Griechenland: An das süße Gift sozialer Wohltaten gewöhnt, straft das Volk die Parteien ab, die ihm die Wohltaten streichen wollen. Wie ein zorniges Kind will man nicht sparen, auch wenn das in den Abgrund führt.  Ja Griechenland, da kann die Kanzlerin auch gegen das Volk regieren, denn in den Umfragen ist wohl eine deutlich Mehrheit des Volkes gegen weitere Hilfen oder besser Subventionen. Aber das Rettungspaket ist (angeblich) alternativlos, basta !

Was beim gegenwärtigen (widerwärtigen) Politikbetrieb auf der Strecke bleibt, ist die Demokratie. Das Volk als Zuschauer bei der Selbstinszenierung der “Politprofis”, die fleißig das tun, womit sie ankommen.

Wir wollen unseren Ausstieg wiederhaben ! Was soll eine Ethikkommision als Feigenblatt, weil man zu feige ist die Dinge beim Namen zu nennen. Dort sitzen alte Männer, die ihren Eigenen Laden nicht führen können, die sollen die Weisheit für die Zukunft haben ???

Wenn man sich hier nicht Zeit nimmt und das tut, worauf es ankommt: nämlich eine sichere Energie für sichere Arbeitsplätze, dann kann es passieren, dass das Licht zuhause zwar brennen bleibt, aber nicht mehr zuverlässige Energie für die Wirtschaft da ist. Dann ist vielleicht Papas Arbeitsplatz weg, aber wir fühlen uns ethisch gut.

Esse est percipi…

“Esse est percipi……” für die Nichtlateiner: „Sein ist wahrgenommen werden”.

Das Zitat stammt von George Berkeley, einem irischen Bischof und Philosophen, der von 1685 -1753 gelebt hat. Zur Erinnerung, der Dreißigjährige Krieg war 1648 mit dem Westfälischen Frieden zu ende gegangen. Danach gab es eine ganze Menge von Kriegen, auch ich mußte hier nachschlagen und erspare Ihnen die Aufzählung. Summa summarum also eine recht unruhige Zeit. Der Gedanke aber dennoch schon sehr modern und hochinteressant !

 

Gefunden habe ich das Zitat im Buch von Thomas Wieczorek (W) „Die verblödete Republik – Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen“ (Knaur-Taschenbuch, mittlerweile auch Spiegel-Bestseller). Ein ziemlich negatives Buch, manches unzweifelhaft richtig, aber auch hier darf mit dem eigenen Verstand kritisch gedacht werden ! Und…..nur nicht schwermütig werden !

 

Sehr interessant fand ich das Kapitel III: Indoktrination. W setzt sich hier mit der Frage auseinander, wie man es schafft, ein nicht einmal in sich geschlossenes Zerrbild der Wirklichkeit zum Allgemeinwissen zu machen. Er nimmt das Ergebnis vorweg und vertritt die provokante These, dass man jedem Volk grundsätzlich fast alles einreden könne, wenn man sich nur geschickt genug anstelle…….

 

Cui bono (boni ???) - wer profitiert davon ?

In unserer mediendominierten parteienrepräsentierenden Demokratie kann jemand nur dann Erfolg haben, wenn er von den Medien wahrgenommen wird, die ihn dann wieder als Multiplikatoren zu Herrn Jedermann oder Jederfrau bringen. So wird Niemand durch multiplizierte Wahrnehmung zu Jemand (Esse est percipi) gemacht. Elisabeth Noelle-Neumann geht sogar soweit zu sagen, dass sich das Individuum der Beeinflussung durch gleichgeschaltete Massenmedien nicht entziehen könne, da die Abwehrmechanismen außer Kraft gesetzt seien. Man ist geneigt, dem zuzustimmen, wenn man „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germanys next Top-Model“ als Belege heranzieht.

 

Oder in der praktischen Politik: Wer kannte vor der Bundestagswahl Politiker wie Herrn Roettgen (ich weiß heute noch nicht, wie man ihn schreibt, sollte vielleicht nicht so locker in der Zeitung über ihn weglesen !) oder Rösler ? Der eine hat den Atomausstieg für sich entdeckt, dem anderen ist der Dauerbrenner Gesundheitsreform zugefallen. Die Frau Köhler – Schröder – Köpf oder wie ??? muß da noch hinarbeiten! KT (ich hoffe Sie wissen, dass der unser neuer Verteidigungsminister ist) wächst an Afghanistan, vielleicht besser Affgähnistan ????

 

Dieses Handwerk beherrscht aber doch unser Guido am besten! Richtig professionell, wie er zurzeit „Hartz IV“ spielt. Seine Gegner spielen alle brav mit, obwohl sie das Spiel eigentlich durchschauen sollten. Wahrscheinlich hoffen sie insgeheim, dass es schief geht oder sogar davon zu profitieren und sich zu profilieren !. Das wird’s aber nicht. Die Sau, die durchs Dorf getrieben wird (neudeutsch „Agendasetting“) kann nicht blöd genug sein, hauptsächlich sie ist schrill, bunt und laut ! Dann wird sie wahrgenommen, der Kontext ist doch wurscht, es zählt nur, man wird gedruckt oder gesendet. Das Medium schaffe die Wirklichkeit selbst, die es vorgibt abzubilden, wie der Berliner Politikprofessor Guggenberger von W zitiert wird. Vielleicht stimmen dem Guido ja einige insgeheim zu???

 

Dass ohne massive Mitwirkung der Medien kaum noch etwa läuft zeigt auch das folgende Beispiel:

Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, wie der große Gerd, der nur BILD, Bam´ s und die Glotze zum Regieren brauchte, den „Heidelberger Professor“ (der mit der Bierdeckel-Steuererklärung, ich glaube, er hieß Kirchhoff) abschoss…..Oder die talentfreie Geräuschkulisse Daniel Kübelböck (DSDS = D sucht den Superstar).

 

Das hängt auch damit zusammen, dass wir uns heute unsere Wirklichkeit ganz wesentlich mit den Medien konstruieren, wie der Hamburger Journalistikprofessor Weischenberg in W meint. Dort hält dann auch prompt der Wiener Philosophieprofessor Paul Liessmann dagegen, dass der Triumph des Meinungsjournalismus die Kehrseite der Tatsache ist, dass niemand mehr was weiß !!!

 

„Geht es nach dem Florentiner Politikprofessor und Medienkritiker G. Sartori, so gefährden die Medien nicht nur die Demokratie, sondern auch unsere geistige Gesundheit. Das Aufsaugen manipulierter oder virtueller Bilder ersetzt das logische, abstrakte und systematische Denken; und wir verlernen es, die Wirklichkeit zu begreifen und zu erklären: der homo sapiens wird zum homo videns und marschiert schnurstracks zurück in die „vorkulturelle Frühzeit der Menschheit“, vielleicht homo ludens ?. Im Extremfall verliert er den Kontakt zur Realität und sich selbst.“ So das wörtliche Zitat aus W-Kapitel „Moderne Medien: zurück in die Steinzeit ?“

 

Mit dem weiteren Ausflug in die Medientheorie begibt sich W allerdings aufs Glatteis. Sehr einseitig betet er Enzensberger nach, vor allem beim „Nullmedium“.

 

Hierzu Wikipedia:

Den Begriff Nullmedium prägte Hans Magnus Enzensberger in seiner Fernsehkritik, die polemisch darauf hinweist, dass alle Klagen über das Fernsehen “gegenstandslos” seien, weil das Fernsehen ein Medium der Gegenstandslosigkeit geworden sei; während zunächst noch programmbestimmte Inhalte gesendet worden seien, verkomme es zunehmend zu einem Medium der Belanglosigkeit und Beliebigkeit, zu einem “Trancemittel”.“

Enzensberger führt sich hier bis auf Brecht mit seiner „Radiotheorie“ zurück.

Mir ist das alles etwa zu marxistisch ideologisiert, vielleicht auch nach der Ideologie gebogen; mir gefällt das Infotainment von Neil Postman besser, auch hierzu Wikidedia:

Unter Infotainment (Kofferwort aus dem Englischen: information und entertainment) versteht man die unterhaltsame Vermittlung von Bildungsinhalten und meist auch Scheinwissen, das den Anspruch erhebt, Bildungsbestandteil zu sein.

Der Begriff Infotainment wurde von dem Medienkritiker Neil Postman geprägt, der das Fernsehen kritisch hinterfragte. In seinem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ (1985) wird von Postman die Behauptung aufgestellt, dass das Fernsehen den rationalen öffentlichen Diskurs in der Form verwandelt, dass jedes Thema – Politik, Kultur, Erziehung, Bildung, etc. – als emotionalisierte, oberflächliche Unterhaltung erscheint. Der politische Wahlkampf sei kein ernsthafter Diskurs mehr über die Inhalte, sondern ähnlich einer großen Varieté-Veranstaltung. Durch diesen Prozess wird nach Postman eine der wesentlichsten Errungenschaften der Aufklärung zerstört: die Fähigkeit zur rationalen Urteilsbildung (Urteilsvermögen); eine Entwicklung, die Postman zufolge die Grundlagen der Demokratie zersetzt und in eine neue Unmündigkeit führt.“

Ich merke schon, das wird alles sehr üppig, die Medientheorie wird in einem nächsten Beitrag abzuhandeln sein, jetzt nur ein Zwischenfazit, es paßt ganz gut das Ende des „Digitalen Evangeliums“ von Magnus dem Enzensberger:

Das digitale Evangelium

 

  • Medien spielen eine zentrale Rolle in der menschlichen Existenz, und ihre rasante Entwicklung führt zu Veränderungen, die niemand wirklich abschätzen kann. Medienproheten, die sich und uns entweder die Apokalypse oder die Erlösung von allen Übeln weissagen, sollten wir der Lächerlichkeit preisgeben, die sie verdienen.”
  • “Es gibt ein Leben diesseits der digitalen Welt: das einzige, das wir haben.”

Strichpunkt von mir, dem Realen: Es gibt einen Abschaltknopf, benutzen wir ihn !!!

Fortsetzung folgt……

Übrigens auch Nassehi sagt in seiner katholischeren Welt im Blog weiter oben was zu Fernsehformaten !

 

 

 

 

 

 

 

(Hilfe,) die Welt wird katholischer….


Das meinte jedenfalls der Münchner Soziologieprofessor Armin Nassehi, am 30. Dezember 2009 auf Seite 42 in der SZ – allerdings ohne den Zusatz „Hilfe“, der stammt von mir und soll ebenso provozieren, wie das Interview.

Sein Ausgangspunkt ist die post bürgerliche Gesellschaft. Deren Definition bleibt er allerdings schuldig, sie erschließt sich nur bruchstückhaft aus dem Interview:

Das Meiste, was einen Alltag heute ausmache, funktioniere eher ritualisiert, eher praktisch, eher reflexionsfrei, eher ästhetisch. Wir fänden Dinge faszinierend, die uns mit Bildern sinnlich ansprechen. In einer Mediengesellschaft funktioniere eben fast alles über Bilder, wenn man wolle: über Fernsehformate.

Der Protestantismus habe sich immer dagegen gewehrt, dass das Religiöse primär über Bilder, Gefühle und Verschmelzungsphantasien zum Faszinosum werde. Damit sei er besonders tauglich für das Selbstbild der bürgerlichen Gesellschaft mit ihrer Betonung des selbsttranparenten, identiätsstarken Individuums. Der Einzelne entscheide rational und in voller Transparenz. Der handelnde Akteur kann immer gute Gründe angeben, für das, was er tut. Der mittelalterliche Mensch habe ethisch von der Hand in den Mund gelebt, er wußte ja auch nicht, dass er Katholik war, das gab es ja erst nach Luther, er war einfach nur Christ. Der muß eine einheitliche Lebensführung zumindest simulieren. Er brauche eine Form von Intellektualität, die ohne Widersprüche auskomme, die Glaubenssätze müßten alle zusammenpassen. Soweit mein sehr geschätzter Lehrer Prof. Nassehi.

Als erstes bedarf die „post bürgerliche Gesellschaft“ einer eingehenden Diskussion:

Es mag ja sein, dass viele Mitglieder der Gesellschaft (ich vermeide bewusst den Begriff „Bürger“ !) „Opfer“ der Kulturindustrie nach Horkheimer/Adorno geworden sind, aber dies doch in ganz unterschiedlicher Weise. Nicht jeder läßt sich kritiklos einlullen und nimmt alles hin, so, wie die Medien gerne hätten ! Dass vieles heute über Emotionen besser zu vermitteln ist, als durch das pure Sachargument, dem ist sicher zuzustimmen. Das bestätigen auch Hirnforscher, die den Lernerfolg, insbesondere in der Schule, nicht durch Angst und Drill, sondern durch positive Gefühle und echtes Interesse für den „Lerngegenstand“ gewährleistet sehen wollen. Dass die Lehrer hierbei gegen Playstation und Hollywood konkurrieren, wie der Hirnforscher Spitzer sagt, macht die Sache sicher nicht leicht. Es ist halt einfacher, sich „bespaßen“ zu lassen, als sich selbst mit einem Problem auseinander zusetzen !

Aber dass die Welt hauptsächlich über Fernsehformate interpretiert wird, dem kann ich nicht zustimmen. Zur emotionalen „Bezauberung“ gehören nicht nur schöne Bilder, sondern auch das Hören, Riechen und Schmecken. Die Emotionen werden aber von den Kirchen seit eh und je gut bedient: Die mit „Feiertagschristen“ aller Konfessionen vollen Kirchen an den hohen Fest- und Feiertagen wie Weihnachten, Ostern usw. zeigen eindeutig, dass es hier keine wesentlichen Unterschiede gibt. Auch die und die zentralen Gebete, wie z.B. das Vaterunser unterscheiden sich für den theologischen Laien nur semantisch. Ein großer Unterschied ist allerdings die Möglichkeit der Katholiken, ihre Sünden durch die Beichte loszuwerden. Da ist den Evangelen verwehrt, sie müssen auf das Jenseits warten, ob sie zu den Erwählten oder Verstoßenen zählen. Max Weber hat die Folgen, die sich seiner Meinung nach daraus ergeben, in seinen Arbeiten zur Protestantischen Ethik eindrucksvoll aufgezeigt.

Im Interview wird auch nicht ganz deutlich zwischen gläubigen Christen und Kirchenmitgliedern unterschieden. Die Frage, ob ein Gläubiger eine Organisation als Vermittler zwischen Gott und sich braucht, darf nicht ausgeblendet werden.

Die katholische Kirche bietet ihren Mitgliedern die absolute Wahrheit, in theologischen Fragen ist der Papst ja sogar unfehlbar. Das gibt einem Gläubigen den Halt und die Struktur, wonach die Menschen in ihrem tiefsten Inneren suchen. Auch die zahlreichen Riten sind dazu geeignet, Halt zu geben. In ähnlicher Weise tut das das Judentum.

Das hat ja auch jahrhundertelang gut funktioniert. Das Wissen ist aber heute weitestgehend allgemein verfügbar geworden und die Probleme, vor die sich die Menschen gestellt sehen, sind wesentlich komplexer geworden. Die christlichen „Glaubensessentials“ sind ja auch nicht gerade einfach mit Erbsünde, Erlösung Kreuzestod usw. In anderen Glaubensrichtungen geht das auch einfacher. Zum Beispiel beim Buddhismus gibt es die vier edlen Wahrheiten:

  • Leben ist immer Leiden;

  • die Ursache für das Leiden sind die Begierden;

  • Das Aufheben der Leiden gelingt nur durch die Aufhebung der Begierden;

  • Der konkrete Weg die Begierden aufzuheben ist der achtfache Pfad
    (ähnlich den 10 Geboten).“

Die „Erklärungsangebote“ sind eben gerade durch die Medien mehr geworden und die Menschen scheinen experimentierfreudigen geworden zu sein, was den „Weg zur Seligkeit“ anbetrifft, sie wollen vielleicht auch weniger „delegieren“. Es muß ja auch nicht alles streng logisch sein, das zeigt auch die von Nassehi zitierte Untersuchung, wonach die Leute sich ihre Inhalte selbst zusammenbasteln, die aber argumentativ nicht zur Einheit verschmolzen werden müssen.

Katholischer ist die Welt keineswegs geworden, deshalb ist auch kein Hilferuf notwendig ! (zumindest meiner Meinung nach)

Man ist nur wesentlich bereitwilliger geworden, das infrage zu stellen, wo man „hineingeboren“ wurde. Dass das auch durch emotionalere „Erklärungsformate“ geschieht, ist ja nicht abzulehnen.

Dass die Kirchen allerdings Mitglieder dadurch gewinnen könnten, dass die Leute über die „Hintertüre“ zu Ihnen über Aktionen kämen, die nicht primär kirchlich wären und dann „drinblieben“, wie Nassehi vorschlägt, halte ich für ziemlich abenteuerlich. Ich wäre da schnell wieder weg, wenn ich merken würde, dass ich wo hingeraten bin, wo ich nicht hinwollte.

Da bin ich ziemlich evangelisch und rational, das möchte ich schon gerne bewusst bestimmen !

Tertium non datur… oder das Dritte, das es – angeblich – nicht gibt.


Neulich schrieb mir jemand dieses Zitat im Zusammenhang mit zwei Möglichkeiten zu denen es keine dritte Lösung geben könne. Wie das Leben so spielt, las ich gestern im Buch „Vom Schlechten des Guten – oder Hekates Lösungen“ von Paul Watzlawick, ich stieß ganz zufällig auf ein sehr interessantes, einschlägiges Kapitel.

 

Er schildert dort den Lebensweg des Franzl Wokurka aus dem österreichischen Ort Steinhof.

Der kämpft mit der manichäischen Welt der Gegensatzpaare (mit Entscheidungs- bzw. Unterwerfungszwang), bis er auf der Universität erfährt, dass das Andere sein Unwesen in der formalen Logik treibt. Dort wurde zuerst postuliert, dass jede Aussage entweder wahr oder falsch sei, und dass es kein Drittes gebe (tertium non datur), so wie beim Bibelwort „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“. Dann kam aber der klassische Lügner, der „Ich lüge“ sagte. Wenn er wirklich log, sagte er also die Wahrheit; aber dann log er also, wenn er sagte „Ich lüge“ !

 

1942 wurden Plakate mit dem Slogan „Nationalsozialismus oder bolschewistisches Chaos“ geklebt. Franzl Wokurka klebe kleine Zettel mit der Aufschrift „Erdäpfel oder Kartoffel“ auf die Plakate. Herrjeh, haben sich da die Tausendjährigen geärgert, dass ihnen jemand ihre amtliche und endgültige Definition der Wirklichkeit verhohnigelte !

 

„Das ausgeschlossene tertium, das Dritte, scheint es also zu geben. Aber es lebt wohl im Verborgenen, im Schatten des gesunden Menschenverstandes, für den die Welt klar und verlässlich in unversöhnliche Gegensätze geteilt ist. Laotse, nennt es nicht das Dritte, sondern den Ewigen Sinn. Nur ist leider auch dieser Name ein Gefangener der manichäischen Welt, da er ein Gegenteil im Ewigen Unsinn hat. Ist das vielleicht der Grund, weshalb es Religionen gibt, in denen Gott nicht benannt werden darf …?“ So schließt Watzlawick das Kapitel.

 

Bei Laotse kann ich ihm nicht ganz zustimmen, im Tao-te-King (ttk) heißt es im ersten Kapitel:

„Das sagbare Tao ist nicht das Tao des Absoluten. (der Ewige Sinn nach Watzlawick, Anm.admin)

Der nennbare Name ist nicht der Name des Absoluten.

Das Namenlose rief Himmel und Erde ins Leben.

Das Nennbare ist die Mutter aller Dinge.“

 

Hier drängt Laotse seine Leser dazu, ihre Erwartungen fallenzulassen, ihre vorgefassten Meinungen abzulegen, jegliche Methode des Verstehens aufzugeben, die ihren Horizont einschränken könnte. Werden diese Erwartungen fallengelassen, dann erweitert sich das Bewusstsein und zugleich die Realität. Über die Wahrnehmung des scheinbar statischen Soseins der Dinge (die Begrenzung) hinaus kann der Sinnsuchende anfangen, die innere Dynamik, die Zielrichtung der Dinge (den Beweg-Grund) wahrzunehmen.

 

Weitere Erläuterungen im Kap. 70 ttk:

 

„Das Tao Verstehen

Meine Worte sind sehr leicht zu verstehen,

Sehr leicht zu befolgen.

Aber die Welt ist unfähig, sie zu verstehen, unfähig sie zu befolgen.

 

Meine Worte haben einen Ursprung, meine Taten sind meisterhaft.

Freilich, da keiner dies versteht, versteht auch keiner mich.

Die wenigen, die mich verstehn, müssen mich hochschätzen.

 

Drum tagen reife Menschen eine Hülle aus grobem Tuch

Über einem Kern aus kostbarer Jade.“

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